Menschen

„Wir sind alle Europa“

4 Februar 2020

Eva Kaneppele (Brennereien Roner) berichtet über ihre Erfahrung in und über Europa, inklusive dem Brexit.

„Ich wurde nie gedrängt, in den Familienbetrieb, die Brennereien Roner, einzusteigen. Vielleicht ist das gerade der Grund, weshalb ich nun doch hier bin“, lacht Eva Kaneppele, die nach einer mehrjährigen Erfahrung in Europa seit fast zwei Jahre wieder zurück in Südtirol ist.
Nach dem Abschluss der Handelsoberschule in Bozen entschied sich Eva erst einmal für ein Wirtschaftsstudium hat an der Universität Cattolica in Mailand. Für das Erasmus-Semester ging sie an die Universität Mannheim.

Was heißt Europa?

„Da meinten alle, aja, einfach, sie ist deutschsprachig, da hat sie es sicher leicht. In Mannheim angekommen, hab ich schnell gemerkt, dass man ohne Englisch nicht weit kommt. Dort bin ich mir erstmals so richtig bewusst geworden, was Europa heißt. Wir können uns frei bewegen, wir können studieren, wo wir möchten – wir sind alle Europa. Meine Kommilitonen kamen aus allen möglichen Mitgliedsländern der EU, eine wirklich bereichernde Erfahrung für mich“, erinnert sich Eva gerne an ihre Studienzeit zurück.

Internationales Oxford

Nach dem Studium sammelte sie in München in einer Brauerei erste Erfahrungen im Projektmanagement. „In dieser Zeit habe ich entschieden, einen Master in International Tourismus in Oxford zu absolvieren. Ich war sofort begeistert von der Internationalität in Oxford, Studenten aus der ganzen Welt waren dort.“

Stichwort Brexit

Studenten aus aller Welt lernte Eva in Oxford kennen.

Es war das Jahr 2016 – das Jahr des Referendums über den Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU. Das Ergebnis der Abstimmung zum Brexit ist bekannt „Damals wie heute bin ich immer noch darüber schockiert. Wir waren alle total verärgert, vor allem über die Umstände, die zu diesem Ergebnis führten. Da war zum Beispiel ein indischer Student, der, da Indien ja Teil des Commonwealth ist, abstimmen konnte. Er stimmte für den Brexit – für mich vollkommen unverständlich. Da hat er mir erklärt: das Pfund wird sinken, das Leben wird günstiger werden, deshalb bin ich dafür. Oder in London, da konnten viele einfach nicht wählen gehen, weil aufgrund starker Regenfälle der öffentliche Verkehr komplett zusammengebrochen war.“

Grenzen bestehen in den Köpfen

Eva wurde dabei erstmals so richtig bewusst, dass die Grenzen vor allem in den Köpfen bestehen. „Diese Grenzen müssen wir überwinden. Europa bietet uns großartige Chancen, wir können uns frei bewegen, verschiedene Kulturen sind friedlich miteinander vereint, wir haben die Möglichkeit, dort zu studieren und zu arbeiten, wo wir möchten. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich nur raten, die Chancen zu nutzen, die Europa bietet“, so Eva.

Südtirol: im Herzen Europas

Wieder zurück in Südtirol: ein kleines Europa in sich.

Nach dem Master in England arbeitete Eva einige Zeit im Marketing in Düsseldorf, ehe sie wieder nach Südtirol zurückkehrte. Seit Mai arbeitet die 29-jährige im Ritterhof Weingut-Tenuta, das zur Unternehmensgruppe der Brennereien Roner AG gehört, und bereitet sich so auf ihre zukünftige Rolle als Geschäftsführerin vor. „Ich freue mich wieder in Südtirol zu sein. Südtirol ist ein kleines Europa in sich. Verschiedene Sprachen und Kulturen friedlich vereint, welche sich gegenseitig stark befruchten. Südtirol ist ein starker Wirtschaftsraum mit Vorzeigecharakter in und für Europa.“