Menschen

Frau am Bau

14 Oktober 2019

Jasmin Mair ist die neue Vorsitzende der Jungen Wirtschaft im Südtiroler Wirtschaftsring-Economia Alto Adige. Im Gespräch erzählt sie über die Rolle, die ihr Großvater für sie hatte, den Umgang mit neuen Technologien und die Herausforderung, in einem Familienbetrieb zu arbeiten.

Seit mehr als sechs Jahren arbeitet Jasmin Mair im Familienunternehmen mit, welches ihr Großvater Josef Mair 1962 gegründet hat. Anfangs war es alles andere als leicht, erinnert sich die 30-Jährige zurück. „Ich befand mich damals für mein Wirtschaftsstudium in Florenz. Dass ich so schnell ins Unternehmen einsteigen würde, war für mich damals alles andere als klar. Dann erkrankte mein Opa an Krebs“.

Veränderung ist nicht immer leicht

Jasmin kehrte nach Schlanders zurück, begann ein Praktikum im elterlichen Betrieb und kümmerte sich gleichzeitig um ihren Großvater. „Diese Zeit war nicht einfach, hat mich aber sehr geprägt. Ich habe neue Ideen ins Unternehmen eingebracht, die sogleich auf Widerstand stießen. Das brachte große Konflikte mit sich, auch in der Familie. Als junge Frau und Tochter des Chefs war es anfänglich nicht so leicht, von den Mitarbeitern akzeptiert zu werden. Gerade in einem männerdominierten Sektor wie dem Baugewerbe muss man als Frau mehr leisten, um dieselbe Wertschätzung zu erlangen. Es gab unzählige Momente, wo ich das Handtuch werfen wollte. Dass ich am Ende doch geblieben bin, verdanke ich wahrscheinlich meinem unendlichen „Sturkopf“ und Durchhaltevermögen“, lacht die sympathische Vinschgerin.

Großer Wert auf das „Miteinander“

Mittlerweile hat Jasmin die erste Phase mit Erfolg überstanden und ist im Familienbetrieb, mit 130 Mitarbeitern eine der größten Baufirmen im Land, für Personal, Projektmanagement und Marketing zuständig. In all diesen Bereichen konnte sie schon wichtige Impulse setzen. „Vor allem was das Arbeitsklima betrifft, hat sich einiges getan bei uns. Mir ist das Miteinander ein großes Anliegen und dazu gehört nun mal der respektvolle Umgang genauso wie verschiedene Firmenveranstaltungen, die wir organisieren: gemeinsame Aktivitäten wie Ausflüge, die Teilnahme an Turnieren, Grillfeiern und Go-Kart-fahren sind heute fixer Bestandteil unserer Unternehmenskultur.“

Jasmin Mair mit einigen Mitarbeitern und dem Skistar Dominik Paris auf der Baustelle „Errichtung der Druckrohrleitung Kraftwerk Rambach“ der Mair Josef & Co. KG

Als Jasmin vor fünf Jahren beschloss, eine Facebookseite für die Firma einzurichten, wurde sie von allen Seiten belächelt. „So was braucht eine Baufirma nicht, hieß es am Anfang. Aber ich war anderer Meinung und wollte unserer Branche ein neues, modernes Bild geben und unsere Arbeit für alle verständlich machen. Ich habe begonnen, Bilder von Baustellen, Maschinen und Mitarbeitern online zu stellen und es hat funktioniert. Heute haben wir mehr als 2.000 Likes und unsere Facebookseite ist vor allem für die Stellensuche ganz entscheidend. Die Zahl der jungen Mitarbeiter und Lehrlinge ist bedeutend gestiegen. Übrigens pflege ich die Seite immer noch selbst, genauso wie unseren neuen Instagram Account: es geht um nichts weniger als das Bild, welches wir von unserem Unternehmen nach außen geben“.

Gute Mitarbeiter besitzen Sozialkompetenz und Flexibilität

Ob über Facebook oder auf Grund klassischer Stellenanzeigen: bei der Auswahl potentieller neuer Mitarbeiter legt Jasmin besonderen Wert auf die Sozialkompetenz und Flexibilität.  „Natürlich ist es nicht immer leicht, die passenden Mitarbeiter zu finden. Besonders in Zeiten wie diesen, wo sich die guten Mitarbeiter die Betriebe aussuchen können finden sich nicht immer nur Wunschkandidaten und die Fluktuation ist auch in unserem Unternehmen höher geworden. Trotzdem lassen wir uns davon nicht unterkriegen und versuchen weiterhin unser Bestes.“

Jungunternehmerin aus Begeisterung

Wenn Jasmin erzählt, kommt immer wieder ihre Begeisterung fürs Familienunternehmen zum Vorschein. „Ich bin im Betrieb groß geworden und erinnere mich noch gut an die Tage, wo ich als Kind abends mit meinem Großvater auf dem Balkon stand und den heimkehrenden LKWs beim Parken zusah. Dass wir heute noch Mitarbeiter in unserem Betrieb haben, welche in seiner Zeit angefangen haben, erfüllt mich am meisten mit Stolz. Er hat den Betrieb maßgeblich geprägt und seine Geradlinigkeit und Standfestigkeit habe ich stets bewundert. Für mich Grund genug, mit Begeisterung weiterzumachen. In einem Familienbetrieb zu arbeiten hat auch viele schöne Seiten, man hat einen größeren Gestaltungsspielraum und kann viel bewegen“.

Viel bewegen will Jasmin auch als Vorsitzende der Jungen Wirtschaft: Fachkräftemangel, Generationswechsel und Digitalisierung sind die drei Hauptthemen, welche sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen festgelegt hat.